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  • Klaudia

Die Macht sei mit mir!




Im Zuge meiner Ernährungsumstellung machte ich mir auch Gedanken über meinen Umgang mit Alkohol und fragte mich, ob ich nach der Abnahme weiterhin darauf verzichten wolle.

Ein Leben ohne das abendliche Glas Wein vor dem Kamin, ein kühles Bier nach der anstrengenden Gartenarbeit oder beides als Begleitung zum Essen konnte ich mir lange nicht vorstellen.

Mir ging es so wie vielen: Ein Verdauungsschnaps nach einem guten Essen, die prickelnde Champagnerparty, der Sekt zum Jahreswechsel oder mal ein Gin-Tasting-Event gehören einfach dazu.

Alkohol bedeutet Entspannung und Genuss.


Aber je älter ich wurde, desto öfter kämpfte ich nach dem Genuss von Alkohol mit Katern, schlechtem Schlaf und benebelten Morgen. Bei dem einen Glas blieb es nämlich meistens nicht. Es wurden öfters mal 2 oder 4 daraus.

Ich begann mir Sorgen um mich selbst zu machen, weil ich mir nicht vorstellen konnte, auf mein tägliches Glas Wein oder im Sommer mein „After-Gardenwork-Bier“ zu verzichten.

Und ich hatte keine Lust dort zu enden, wo viele meiner Bekannten endeten:

Trinken bis zum Umfallen.

Völliger Kontrollverlust.

Na denn: Prost! Nein, danke!


Ich will keine alkoholische Kuscheldecke, die mir meine manchmal schweren, manchmal sorgenvollen oder wütenden, dann wieder verzweifelten Gedanken zudeckt.

Dies will ich vor allem deshalb nicht, weil diese Kuscheldecke nicht zwischen guten und schlechten Gefühlen unterscheidet. Sie dämpft alles. Auch das Gute, das Glück und das Fröhlichsein. Alles wird ein grauer Einheitsbrei.


Aber ich bin bereit für das ganze und nicht nur für das halbe Leben.

Ich will das Gute und das Unangenehme erleben - ohne Ausnahme.

Voll und intensiv.

Ich will Klarheit, Freiheit, Frische. Farbe.

Kurz: Ich bin bereit für mich selbst.


Mein Entschluss keinen Alkohol mehr zu trinken, war das eine, das andere es auch zu tun.

Solange ich mit mir alleine bin, ist das überhaupt kein Problem. Sobald es allerdings darum geht, ein NEIN zu Alkohol auch in Gesellschaft durchzusetzen, wird es schwierig.

Denn leider ist Alkohol in unserer Kultur verankert. Wer trinkt, gehört dazu.


· Ein Gläschen Wein kann doch nicht schaden.

· Komm! Jetzt sei kein Spielverderber!

· Ach Mensch, das gehört doch dazu!


Das sind Sprüche, die ich immer wieder höre.

Früher hätte ich darüber gelächelt und sie akzeptiert. Inzwischen verstehe ich sie nicht mehr.

Warum wird ein Verzicht auf Fleisch akzeptiert, aber ein NEIN zu Alkohol nicht? Und warum wird Rauchern, denen eine Entwöhnung gelingt gratuliert, mir aber Alkohol weiter aufgedrängt?

Ein Nein wird selten gebilligt, es sei denn man ist schwanger oder nimmt ein Antibiotikum. Selbst wenn man der Chauffeur des Abends ist, heißt es nur zu oft: „Och, komm! Eins kannst Du doch!“ Muslime werden bedauert und Kinder dürfen mit zehn schon mal am Eierlikörchen bei Oma lecken.

Bei all jenen, die mir das Glas Wein weiter aufdrängen und ein Problem mit meiner Abstinenz haben, ist der Umgang mit der allgegenwärtigen Droge „Alkohol“ problematisch - da bin ich mir sehr sicher. Und die Zahl derer, die zu dieser Personengruppe dazu gehören, ist ziemlich groß.


Wer nicht mithält beim Trinken gilt als langweilig, viel zu vernünftig, spießig, leidenschaftslos und unsexy. Nur wer trinkt, sitzt abends mit Freunden am Lagerfeuer oder feiert im glitzernden Outfit in mondänen, goldenen Palästen die ganze Nacht durch – so die Werbung. Eine moderne, selbstbewusste Frau trinkt Sekt auch schon mal aus der Flasche und lässt es auch ohne Begleitung so richtig krachen.


Das „Richtig-Krachen-Lassen“ klappte bei mir schon immer nur ohne Alkohol.

Wenn ich wirklich feiern wollte, rührte ich Alkohol bewusst nicht an, da ich sonst weder im Palast getanzt noch am Lagerfeuer gesessen hätte, sondern nur schnarchend im Bett gelandet wäre.


Alkohol ist nicht gesund. Wer weiß das nicht?

Und der verharmlosende Umgang mit dem Stoff, ist es erst recht nicht.

Das bemängelt auch das Bundesministerium für Gesundheit.

Auf seiner Internetseite heißt es:


„7,9 Millionen Menschen der 18- bis 64-jährigen Bevölkerung in Deutschland konsumieren Alkohol in gesundheitlich riskanter Form. Ein problematischer Alkoholkonsum liegt bei etwa 9 Millionen Personen dieser Altersgruppe vor (ESA 2021). Zudem ist missbräuchlicher Alkohol einer der wesentlichen Risikofaktoren für zahlreiche chronische Erkrankungen (zum Beispiel Krebserkrankungen, Erkrankungen der Leber und Herz-Kreislauf-Erkrankungen) und für Unfälle. Analysen gehen von jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein oder bedingt durch den Konsum von Tabak und Alkohol aus.


In der Gesellschaft herrscht eine weit verbreitete unkritisch positive Einstellung zum Alkohol vor.“


Während ich früher gerne Wein trank, weil ich den Geschmack so liebte, weil er mich runterbrachte und auch weil ich dazu gehören wollte, entscheide ich mich heute für den Verzicht.

Ich verzichte auf den Rausch, das schlechte Schlafen, den Nebel im Kopf, Energielosigkeit und eine kaputte Leber.

Stattdessen genieße ich die Klarheit und Frische meines Geistes und Körpers.

Spüre alle Farben des Glücks, Frohsinns, des Mutes und der Traurigkeit oder der Wut, die selbst von einem Glas Wein am Abend verwaschen werden. Ich erlebe meine Kraft und meine Stärke voll und ganz und bin begeistert davon, ja berauscht.


Es geht mir nicht darum, mein Leben ständig zu kontrollieren oder zu perfektionieren. Ich möchte mein Leben voll und ganz genießen können. Mit Alkohol am Abend, auf der Fete, im Urlaub, auf der Berghütte, zum Einstieg ins Wochenende oder zu Weihnachten kann ich das nicht.

Die Macht sei mit mir – nicht mit dem Bier!


In diesem Sinne: Lasst mir meine Abstinenz. Auch nach der Abnahme.

Ich lasse all jenen den Rausch, die ihn brauchen. Oder die benebelte Ektase, das die Seele-Aus-Dem-Leib-Kotzen, die Filmrisse.

Ich werde mich nicht mehr dafür rechtfertigen, dass ich nicht trinke, nur damit andere sich wohler fühlen.

Ein jeder schaue in sein eigenes Glas!

In meinem findet man zur Zeit bevorzugt herrlich kühles und klares Wasser.


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